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Wie können wir als Konsumenten unsere persönliche Umweltbilanz verbessern?

Wie können wir als Konsumenten die persönliche Umweltbilanz verbessern? Diese Studie untersucht, wie sich in der Schweiz Wohnen, private Mobilität, Konsumgüter und Dienstleistungen, Ernährung sowie öffentliche Dienste auf die Umwelt auswirken.

Die Studie herausgegeben vom Schweizer Bundesamt für Umwelt kann hier als pdf-Dokument heruntergeladen werden (115 Seiten).

 

Zusammenfassung (S. 9 und 10 der Studie)

Viele fragen sich, wie sich der Respekt gegenüber der Umwelt und die Vorteile einer Konsumgesellschaft in Einklang bringen lassen. Passende Empfehlungen sind zur Hand, doch wenige unter ihnen erfassen die Problematik auf globale Weise. Die vorliegende Studie beurteilt und vergleicht die durch unsere Konsumgewohnheiten verursachten Umweltwirkungen in ihrer Gesamtheit und hebt die Entscheidungen der Konsumentinnen und Konsumenten hervor, die einen massgebenden Einfluss auf ihre Umweltbilanz ausüben («Schlüsselentscheide»). Insofern verfolgt die Studie einen innovativen Ansatz. Sie zeigt bedeutende Verbesserungspotenziale der individuellen Bilanz auf und schlägt umweltverträglichere Konsumszenarien vor. Letztere belegen anhand von Zahlen, dass eine Einzelperson bis zu einem Drittel ihres jährlichen Verbrauchs an nicht erneuerbarer Primärenergie einsparen und gleichzeitig im selben Masse ihre Umweltwirkungen vermindern kann, ohne dabei ihre Lebensweise radikal ändern zu müssen. Dank der Berücksichtigung des finanziellen Aspekts in jedem der Szenarien lassen sich Hemmnisse und Anreize für ihre Umsetzung identifizieren.

Aus methodischer Sicht beruhen die erzielten Ergebnisse auf einer sachdienlichen und systematischen Anwendung des Ökobilanz-Ansatzes, auf Daten aus neusten Erhebungen und auf integralen Umweltindikatoren, die über eine simple Energiebilanz hinausgehen. Um die Analyse zu vereinfachen, wurden Güter und Dienstleistungen in fünf Konsumbereiche unterteilt: Wohnen, private Mobilität, Konsumgüter und Dienstleistungen, Ernährung sowie öffentliche Dienste und Versicherungen.

Eine erste, auf bestehenden Arbeiten und Datenbanken aus der Schweiz und Europa basierende Ökobilanz des durchschnittlichen Konsums in der Schweiz zeigt, dass nahezu die Hälfte des Verbrauchs an nicht erneuerbarer Primärenergie und die dadurch bedingten Auswirkungen wie Treibhauseffekt, Versauerung und fotochemische Oxidantenbildung auf das Konto der Bereiche Wohnen und Verkehr gehen. Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus, so lässt sich feststellen, dass der Grossteil der Umweltwirkungen des Wohnens, der privaten Mobilität und der «aktiven» Produkte während der Gebrauchsphase entstehen und hauptsächlich auf den hohen Verbrauch an nicht erneuerbarer Primärenergie zurückzuführen sind. Im Bereich Ernährung dagegen fällt der Grossteil der Umweltwirkungen – beispielsweise die Eutrophierung – während der Herstellungsphase an.

Ausgehend von dieser Bilanz lässt sich ein zusätzlicher Schritt vollziehen: die Identifizierung der Schlüsselentscheide. Dabei handelt es sich um Entscheidungen von Konsumentinnen und Konsumenten mit ausschlaggebendem Einfluss auf ihre Umweltbilanz: Kauf oder Miete einer Sache, häufige oder seltene Benutzung eines Geräts oder Wahl des Entsorgungsweges. Die Schlüsselentscheide und ihre Auswirkungen auf die Umweltbilanz (von stark bis sehr gering) wurden für jeden Konsumbereich ermittelt und in Form von vier Umwelt-Entscheidungsmatrices dargelegt. Das grösste Potenzial zur Optimierung der Umweltbilanz bergen Entscheidungen in Bezug auf die thermische Qualität eines Gebäudes, die Wohnfläche, das Heizsystem und die Energiequelle, über die zurückgelegten Distanzen, die Verkehrsmittel und den Besetzungsgrad der Fahrzeuge, über Menge, Qualität und Gebrauchsdauer sowie Entsorgungsweg der verbrauchten Produkte und Dienstleistungen, über den Energieverbrauch der gekauften Geräte, über die Herstellungsart der konsumierten Nahrungsmittel und über die Ernährungsweise.

Nicht nur die Konsumentinnen und Konsumenten können durch bewusste Konsumentscheide ihre eigene Umweltbilanz massgeblich beeinflussen, auch der Staat übernimmt in den meisten Bereichen einen bedeutenden Part, indem er den gesetzlichen Rahmen festlegt und finanzielle Anreize schafft. Des Weiteren können sowohl Industrie wie Landwirtschaft eine wichtige Rolle spielen, wenn sie – über den gesamten Lebensweg eines Produkts gesehen – mehr umweltverträgliche Erzeugnisse vermarkten.

Das Potenzial der ökologischen und finanziellen Vorteile wird anhand von Szenarien beurteilt, die umweltverträglichere Verhaltensweisen aufzeigen. Diese wiederum decken sich weitgehend mit dem heutigen Lebensstil der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten und betreffen unter anderem das Wohnen in einem Einfamilienhaus mit niedrigem Energieverbrauch, Sensitivitätsanalysen im Bereich Mobilität mit verschiedenen zurückgelegten Distanzen, Besetzungsgraden und Verkehrsmitteln oder den Kauf von Geräten mit hoher Energieeffizienz. Die kumulierte Anwendung von acht Szenarien bewirkt – immer pro Person und Jahr gerechnet – Kosteneinsparungen von CHF 1800, einen Minderverbrauch von 66 Gigajoule nicht erneuerbarer Primärenergie (dies entspricht ungefähr einem Drittel des jährlichen Energieverbrauchs) und eine Verringerung des CO2-Ausstosses um 3 Tonnen. Die jährlichen Umweltwirkungen pro Person werden damit um rund ein Drittel gesenkt.

Es macht Sinn, die Konsumentinnen und Konsumenten bei der Reduktion ihrer Umweltwirkungen und Kosten zu unterstützen. Es wäre ebenfalls sinnvoll, dafür zu sorgen, dass die damit eingesparten Summen in die Anschaffung von umweltverträglicheren Gütern oder Dienstleistungen – beispielsweise eines Geräts mit hoher Energieeffizienz – reinvestiert werden. Auf diese Weise liessen sich Boomerangwirkungen vermeiden, wie etwa die Finanzierung eines Fluges mit dem Geld, das dank umweltbewussten Verhaltens eingespart wurde.

Die in dieser Studie vorgestellten Ergebnisse, Instrumente und Schlussfolgerungen sind eine Stütze bei der Festlegung von prioritären Massnahmen im Bereich umweltbewusster Konsum. Die Fallstudien ihrerseits drücken die Meinung ihrer Autorinnen und Autoren aus und widerspiegeln nicht zwangsläufig die strategische Haltung des BAFU.