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Über das Missionieren

Wer an seiner persönlichen Entwicklung arbeitet, ist in der Regel davon überzeugt, dass dies für ihn der richtige Weg ist, dass er das richtige tut. Sonst würde er ja vermutlich etwas anderes tun...

Bei vielen kommt deshalb früher oder später der Wunsch auf, auch andere Personen von ihrem Weg zu überzeugen. Sie wollen ande­ren helfen, ebenfalls den «richtigen» Weg zu finden. Oftmals endet dies in einer grossen Enttäuschung, wenn so nahestehende Personen, wie der Lebenspartner, die Kinder, die Eltern, gute Freunde, usw. ablehnend reagieren. Wenn sie vom «einzig richti­gen», vom besten Weg oder Ziel nichts wissen wollen.

Uns nahestehende Personen haben möglicherweise bemerkt, dass wir uns verändert haben. Häufig ruft eine Veränderung aber zunächst auch Verwunderung und viele Widerstände her­vor. Warum konntest Du nicht so bleiben wie Du warst? Ich habe Dich doch auch vorher geliebt. - In der Regel ist unsere Umgebung aber das kleinste Problem.

Beobachten Sie zum Beispiel, wie Ihre Kinder aufrecht zu gehen lernen oder erinnern Sie sich an Ihre eigene Kindheit zurück: Haben Ihre Eltern stundenlang auf Sie eingeredet und Ihnen die Vorteile des aufrechten Gangs gegenüber dem Krie­chen erklärt? Oder haben sie Sie gar in Seminare geschickt, um den aufrechten Gang zu erlernen? Wohl kaum. Sie hatten andere Kinder oder Erwachsene beobachtet, welche aufrecht gegangen sind. Zu einem bestimmten Zeitpunkt haben Sie beschlossen «aufrecht zu gehen bringt Vorteile mit sich, ich möchte dies auch können». Sie begannen aus eigenem Antrieb zu üben. Solange ein Kind nicht aufrecht gehen will, kriecht es. Da hilft alle Überzeugungskraft der Eltern nichts. Das Kind ent­scheidet selbst. Ganz analog verhält es sich mit dem Sprechen lernen, der Stubenreinheit, usw.

Kommen wir wieder zurück auf unseren Wunsch, andere auf den «richtigen Weg» zu bringen. Es gibt nur die eine Lösung: Wenn man andere vom eigenen Weg bzw. vom eigenen Ziel überzeugen will, muss man in erster Linie sein eigenes Leben so leben, wie man es für richtig hält. Wenn man dadurch mit der Zeit in jeder Situation harmonisch und gelassen reagiert, wird dies der Umge­bung bestimmt nicht entgehen. Personen, welche dasselbe Ver­langen in ihrem Innern spüren und auf der Suche nach dem richti­gen Weg sind, werden versuchen es Ihnen gleich zu tun - jede auf ihre eigene Art und Weise.

Wenn wir hingegen feststellen, dass andere uns nicht nach­eifern, unsere Zielsetzung nicht zu ihrer Zielsetzung machen, uns nicht um Rat fragen, unsere Hilfe nicht wollen - dann liegt dies vielleicht an uns! Vielleicht strahlen wir im Alltag eben noch nicht die Ruhe, Harmonie und Gelassenheit aus, wie wir selbst glauben oder hoffen. Vielleicht leben wir die Grund­rechte des Seins eher in der Theorie als in der Praxis.

Dies oder andere Gründe sollten uns selbstverständlich nicht ent­mutigen. In unserem Leben geht es um unsere Entwicklung - und nicht um die Entwicklung der anderen. Wir sind nur für uns selbst verantwortlich. Es bleibt uns deshalb nichts anderes übrig, als uns um uns selbst zu kümmern, unsere Kräfte in unsere eigene Ent­wicklung zu investieren und die anderen so zu akzeptieren, wie sie sind.

Unser grösster Beitrag zum Allgemeinwohl auf der Erde erzie­len wir dann, wenn wir uns persönlich im Sinne der Grund­rechte des Seins maximal weiter entwickeln und nicht etwa, indem wir mög­lichst viele andere vom gleichen Ziel überzeu­gen. Es geht um uns persönlich, nicht um die anderen!