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Die Bedürfnisse des Menschen

Warum gehen die meisten von uns Menschen täglich zur Arbeit, weshalb leben wir mit einem Partner zusammen, wes­halb zeugen wir Kinder? Was wollen wir damit erreichen? Wonach streben wir eigentlich? Geht es nur darum, unsere Nahrung zu beschaffen, uns fortzupflanzen oder wollen wir möglichst viele Gegenstände kaufen, Aktien von Firmen besit­zen, Karriere machen, in die Geschichte eingehen, Macht über andere ausüben?

Über die Zielsetzungen und Ursachen der menschlichen Hand­lungen ist schon sehr viel geschrieben worden, wir
wollen hier deshalb das aus unserer Sicht wichtigste der verschiedenen Theo­rien extrahieren und uns eigene Gedanken dazu machen.

Im allgemeinen geht man davon aus, dass alle Menschen letzt­endlich vergleichbare Bedürfnisse haben. Je nach dem, welche Bedürfnisse bereits befriedigt sind, je nach Alter, Lebenserfah­rung und Kultur setzt der Mensch die Prioritäten bei den noch offenen Bedürfnissen jedoch anders. Am bekanntesten ist wohl die Dar­stellung der Bedürfnisse und Prioritäten in Form einer Pyramide nach Maslow (Maslow'sche Bedürfnispyramide). Maslow vertrat die Theorie, dass der Mensch den einzelnen Bedürfnissen klare, hierarchische Prioritäten zuordnet. Sobald der Mensch eine Stufe in seiner Bedürfnispyramide erreicht hat, regt sich das Bedürfnis zum Erreichen der nächsthöheren Stufe. Stellvertretend für viele andere Darstellungen betrachten wir kurz die einzelnen Elemente dieser Pyramide von Maslow:

  1. Zuerst setzt der Mensch seine Priorität bei den existentiellen Bedürfnissen, also bei Nahrung, Kleidung, Schlaf. Wenn die existentiellen Bedürfnisse nicht erfüllt sind, ist das Über­leben gefährdet, es besteht Lebensgefahr.
  2. Wenn die existentiellen Bedürfnisse befriedigt sind, wird das Bedürfnis nach Sicherheit wach: Der Wunsch nach Schutz vor den Gefahren des Lebens wie zum Beispiel Krieg, Krankheiten, Unfall, Umwelt-Katastrophen, usw. steht im Vordergrund.
  3. In der nächsten Stufe der Priorität stehen gemäss Maslow die sozialen Bedürfnisse: Der Mensch möchte mit Gleich­gesinnten zusammen sein, möchte akzeptiert und geliebt werden.
  4. Bei der darauf folgenden Stufe geht es um die eigene Wert­schätzung und die Wertschätzung von anderen Personen: Der Mensch möchte sein Selbstbewusstsein stärken und sucht dazu bei anderen Personen Beachtung und Anerken­nung.
  5. Als oberste Zielsetzung gilt das Bedürfnis nach Selbstver­wirk­lichung: Der Mensch möchte sich selbst sein können, innere Ruhe, Glück und Harmonie dauernd erleben können.

Wie bereits erwähnt, sind die Bedürfnisse der Menschen schon häufig untersucht und beschrieben worden, die Bedürfnis­pyramide kann beliebig verfeinert, geändert und ergänzt wer­den. Man kann sich auch mit gutem Recht fragen, ob zum Beispiel das Erreichen der 3. Stufe wirklich eine notwendige Voraussetzung für die 4. und 5. Stufe darstellt. Für unsere Zwecke ist es nicht sehr sinnvoll, die individuellen Bedürfnisse der Menschen allzu stark zu verallge­meinern. Trotzdem: Wer die Menschen beobachtet, sieht, dass aller Individualität zum trotz, die grosse Mehrheit der Personen in einem bestimmten Wirtschafts- und Kulturraum ihre Prioritäten sehr ähnlich setzt. Sehr sehr ähnlich sogar, wenn man genauer hinsieht.

Die Priorität in den Bedürfnissen ändert sich jedoch meistens bei jedem Menschen im Laufe seines Lebens. Ältere Menschen setzen die Prioritäten in vielen Dingen anders als junge Men­schen. Wir wollen auf die vielen Arten der menschlichen Bedürfnisse nicht näher eingehen. Erstaunlicherweise finden sich bei praktisch allen Untersuchungen über die Beweggründe für das menschliche Han­deln zwei grosse Gemeinsamkeiten:

  • In der ersten Priorität stehen die existentiellen Bedürfnisse.

Es leuchtet sicher ein, dass nicht nur der Mensch, sondern generell jedes Wesen auf der Erde zuerst nach Möglich­keiten zum Überleben sucht, insbesondere nach Nahrung und nach einer Umgebung, wo ein Leben überhaupt mög­lich ist.

  • In der obersten Stufe der Priorität steht die Harmonie mit sich selbst.

Je mehr die anderen menschlichen Bedürfnisse befriedigt sind, desto stärker regt sich der Wunsch nach einem dauernden Zustand von Glück, Harmonie, Geborgenheit, innerer Ruhe und Gelassenheit. Der Mensch möchte überall und jederzeit sich selbst sein können und sich dabei völlig akzeptiert und geliebt fühlen.

Da es sich um eine abstrakte Lebensqualität handelt, ist dieser Zustand schwierig klar zu beschreiben. Die Religio­nen um­schreiben ihn zum Beispiel mit dem Eintritt in den Himmel, Erreichen des Nirwanas, Leben von bedingungs­loser Liebe, dem totalen Frieden auf Erden, Ausbruch aus dem Zyklus der Reinkarnation, usw.

Diese höchste Zielsetzung im Leben ist eigentlich gar nicht so erstaunlich. Wenn wir einmal unterstellen, dass das oben erwähnte Bedürfnis «irgendwie» erreichbar ist, müsste ein solcher Zustand nicht herrlich sein? Stellen Sie sich vor, Sie wären dauernd in einem Zustand, wo Sie nichts mehr beun­ruhigen kann, wo Sie vollständig zufrieden und ruhig sind. Liebe spüren und aus­strahlen. Keine Krankheiten, keine Unfälle, keine Streitigkeiten, keine Sorgen, einfach nur noch Harmonie.

Müsste dies nicht für jedermann auf der Erde erstrebenswert sein? Falls Sie nicht daran glauben, dass dies erreichbar ist, wäre es nicht sinnvoll, sich in diese Richtung zu entwickeln, dieses Ziel wenigstens so weit wie möglich versuchen zu erreichen?