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Verantwortung ist etwas Individuelles

Die Fähigkeit seine Verantwortung wahrzunehmen, haben wir als Verantwortungsbewusstsein bezeichnet. Das Verantwor­tungs­bewusstsein kann nicht grösser sein als das Bewusstsein, da das entsprechende Bewusstsein ja die Grundlage für das Wahrneh­men der möglichen Folgen von Entscheidungen dar­stellt.

Die Fähigkeit zur Wahrnehmung der Verantwortung ist inner­halb der Bewusstseins-Kugel vorhanden, ob sie auch wahr­genommen wird, entscheidet die betreffende Person in jedem Falle selbst. Man kann die diesbezüglichen Informationen bzw. Sinne auch ignorieren. Selbst wenn ich wegschaue, um die Folgen meiner Entscheidung nicht sehen zu müssen, bin ich deswegen natürlich trotzdem für diese Folgen verantwortlich! Vorderhand nehmen wir aber an, dass die Verantwortung jeweils voll wahrgenommen wird.

Wenn ich einem Hungernden etwas zu Essen gebe, ist die direkte Folge davon, dass er nachher keinen Hunger mehr hat. Dafür trage ich wohl in jedem Falle die Verantwortung. Mög­licherweise hinderte aber die Erfahrung, dass man «einfach so» Essen bekommen kann, den Hungernden daran, eine für ihn sinnvolle Stelle als Arbeiter anzunehmen. Dies wäre dann eine indirekte Folge, für die ich je nach meinem Bewusstsein ver­antwortlich bin (oder nicht).

Wenn mehrere Personen in der gleichen Situation dieselbe Ent­scheidung fällen, kann der Umfang der Verantwortung für die Folgen dieser Entscheidung für jede Person unterschiedlich aus­fallen. Jede Person ist für diejenigen Folgen verantwortlich, welche sich innerhalb ihrer persönlichen Bewusstseins-Kugel befinden. Je höher das Bewusstsein einer Person ist, desto weiter sollte sie demzufolge bei ihren Entscheidungen voraus­denken.
Werden dadurch aber nicht Personen mit einem hohen Bewusst­sein benachteiligt? Lohnt es sich unter diesem Gesichtspunkt überhaupt, sein Bewusstsein zu entwickeln? Unbedingt, denn je mehr Verantwortung wir tragen, desto höher sind nicht nur die Risiken sondern auch die Chancen für unsere Entwicklung. Das, wofür wir verantwortlich sind, ergibt die Bausteine in unserer Pyramide der persönlichen Entwick­lung.

Wir haben bei der Diskussion der Entwicklung der Menschen gesehen, dass die persönliche Entwicklung zur Respektierung der Grundrechte des Seins der Entwicklung des Bewusstseins entspricht. Eine Sehnsucht in uns lässt uns nach Harmonie und Friede streben. Vergleichen wir die Entwicklung der Menschen deshalb einmal mit unserem Schulsystem: Bei einer Diplom­prüfung an der Universität werden objektiv gesehen anspruchs­vollere Fragen zu lösen sein als in einer Prüfung der Grundschule. Die Schüler bzw. Studenten werden ihre Auf­gaben aber jeweils subjektiv als «schwierig» einstufen. Ist dies nun gerecht oder ungerecht? Sind die Studenten an der Univer­sität deshalb benachteiligt gegenüber einem Schüler der Grundstufe?

Es wäre eigenartig, wenn wir in unserem Schulsystem die Anfor­derungen den Kenntnissen und Fähigkeiten der Schüler anpassen, das Leben uns aber mit für uns unlösbaren Aufgaben konfron­tieren würde. Ist es nicht sehr beruhigend zu wissen, dass auch bei der «Schule zum Leben der Grundrechte des Seins» die Anforderungen schrittweise erhöht werden?

Mit unserer Weiterentwicklung nimmt unsere Wahrnehmungs­fähigkeit zu. Dies ist ein Bestandteil unseres Bewusstseins. Wir können immer besser spüren, ob etwas sinnvoll ist oder nicht, häufig jedoch ohne dass der Intellekt uns eine einleuchtende Erklärung geben könnte. Wir lernen mit unserer intuitiven Wahr­nehmung als zusätzlichen Sinn umzugehen und ihrer Information zu vertrauen. Ein ganz normaler Vorgang, wie wir ihn aus anderen Tätigkeiten bereits kennen.

Wir wollen im folgenden Konsequenzen betrachten aus der disku­tierten Verantwortung für die Folgen von unseren Ent­scheidungen.