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Entscheidungen - Entscheidungsfindung

Einführung in die Entscheidungsfindung

Im täglichen Leben sind wir uns gewohnt, laufend Entscheidungen zu treffen. So sehr, dass wir häufig nicht bemerken, wenn wir uns für oder gegen etwas entscheiden (müssen). Denn vielen alltäglichen Entscheidungen können wir uns gar nicht entziehen. Beispiele für Entscheidungen aus dem Alltag sind die Wahl der Kleider, welche wir am Morgen anziehen, was und wieviel wir frühstücken, welche Schuhe wir anziehen, usw.

Die Tätigkeit des Entscheidens kann einerseits sehr hoch bezahlt sein (Top-Manager in einer Firma, ranghohe Politiker) oder andererseits aber auch finanziell wenig lukrativ sein (z.B. Eltern bei der Kinder-Erziehung). Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir alle eine sehr grosse Erfahrung haben im Treffen von Entscheidungen.

Als Merkmal unserer schnell lebigen Zeit stehen uns für das Entscheiden unter anderem dank dem Internet immer mehr Informationen zur Verfügung. Gleichzeitig müssen viele Entscheidungen aber auch in immer kürzerer Zeit getroffen werden. Bei einigen Personen kann dies Auslöser sein für Stress und andere Krankheiten. Die Auswahl der für die Entscheidung relevanten Informationen wird deshalb immer wichtiger. Dazu kann u.a. auch unsere Intuition eingesetzt werden.

Bevor wir auf die Bedeutung von Intuition bei Entscheidungen näher eingehen, betrachten wir kurz verschiedene Entscheidungsarten bzw. Entscheidungsmethoden:

 

Entscheidungsmethoden

a) Rational begründete Entscheidungen

Rationale Entscheidungen zeichnen sich durch eine eindeutige und zweifelsfrei nachvollziehbare Entscheidungslogik aus. Mit demselben Input würde jedermann zu demselben Ergebnis gelangen. Die Logik der Entscheidung wird häufig in Worten als Regel oder in mathematischen Beziehungen ausgedrückt. Dies können z.B. Formeln, Richtlinien oder Arbeitsanweisungen sein. Bei wiederkehrenden rationalen Entscheidungen beschränkt sich die Aufgabe des Menschen teilweise auf das Erfassen bzw. Eingeben der benötigten Informationen in einen Computer, welcher die entsprechende Entscheidungslogik bereits beinhaltet und das Ergebnis mehr oder weniger automatisch liefert.

Beispiele für rationale Entscheidungen:

  • Bereits ausgewähltes Produkt zum tiefsten Preis einkaufen (z.B. eine Speichererweiterung für die Digitalkamera). Es geht nur noch um die Auswahl des Ladens mit dem einzigen Kriterium „tiefster Preis".
  • Konstruktion eines Behälters für einen bestimmten Innendruck. Basierend aus früheren Erfahrungen gibt es exakte Richtlinien für Materialwahl und Materialstärke, denen der Konstrukteur folgen muss.
  • Viele Vorgänge im Wirtschaftsleben, bei denen der Sachbearbeiter nur einen kleinen oder gar keinen Entscheidungsfreiraum hat. Z. B. erfolgt die Vergabe eines neuen Hypothekarkredites nach relativ strengen Regeln gemäss vorhandenem Eigenkapital, Zustand der Immobilie, wirtschaftlicher Situation des Kunden und der gewünschten Laufzeit der Hypothek.

b) Halb-rationale Entscheidungen

Bei halb-rationalen Entscheidungen ist typischerweise eine subjektive Aufbereitung des Inputs notwendig, damit danach eine rationale Entscheidungslogik angewendet werden kann. Häufig sind Eingangsgrössen für eine Entscheidung in Masseinheiten verfügbar, welche in keinem unmittelbaren Verhältnis zueinander stehen. Bei der Auswahl eines Fahrrades können dies z.B. die Anzahl Gänge, die Art der Schaltung und das Gewicht des Rades sein. Diese unterschiedlichen Eingangsgrössen für den Entscheidungsprozess werden in der Regel benotet (mit Punkten bewertet) oder in Kategorien wie z.B. „gut", „genügend", „mangelhaft", usw. eingeteilt. Fallweise kann für diese Bewertung auch Intuition eingesetzt werden.

Wenn alle Eingangsgrössen in miteinander vergleichbaren Masseinheiten vorliegen, kann danach die Entscheidung nach rationaler Entscheidungslogik durchgeführt werden.

Beispiele für halb-rationale Entscheidungen:

  • Das wohl beste Beispiel sind Produktetests: Viele Magazine und Zeitschriften veröffentlichen Tests von Haushaltgeräten, Computer, Autos, usw. mit entsprechenden Kaufempfehlungen. Dabei wird typischerweise eine Vielzahl von Eigenschaften mit Punkten benotet, die einzelnen Eigenschaften werden gewichtet, um am Schluss daraus eine Gesamtnote für jedes Gerät und eine Rangliste zu berechnen.
Teilweise lassen sich solche Bewertungen nachträglich als Tabellenkalkulationsblatt über Internet beziehen, um eigene Gewichtungen der Eigenschaften vornehmen zu können. So kann man z.B. bei einem Vergleichstest für Drucker bei der Berechnung der Verbrauchskosten die für sich selbst relevante Anzahl Druckseiten pro Monat einsetzen oder die Eigenschaft „doppelseitiger Druck" höher bewerten als im ursprünglichen Test vorgesehen. Dadurch ergibt sich am Schluss in der Regel auch eine andere Rangliste der Geräte.

 

c) Subjektive oder irrationale Entscheidungen, intuitive Entscheidungen

Subjektive oder irrationale Entscheidungen lassen sich nicht zwingend nachvollziehen. Die Entscheidungslogik ist oftmals sogar der Person selbst unbekannt, welche die Entscheidung trifft. Unter diese Kategorie fallen naturgemäss auch viele intuitive Entscheidungen.
Beispiele für irrationale Entscheidungen

  • Welche Kleider ziehe ich heute an?
  • Wahl des Berufsziels
  • Wahl des Lebenspartners
  • Sollen wir Kinder haben? Falls ja, wieviele?
  • Wahl des Ferienziels

Viele Entscheidungen in unserem Alltag sind irrationaler Natur. Falls wir uns überhaupt Notizen zum Entscheidungsprozess machen, führt dies in der Regel zu einer blossen Aufzählung von Vor- und Nachteilen der einzelnen Optionen ohne eine quantitative Bewertung.

 

Wahl der Entscheidungsmethode

Wenn wir anderen Personen Rechenschaft schuldig sind über eine Entscheidung, versuchen wir häufig irrationale Entscheidungen zu vermeiden. Wir bevorzugen dann die einfacher nachvollziehbaren rationalen oder zumindest die halb-rationalen Entscheidungsprozesse. In der Wirtschaft sind nicht zuletzt deshalb rationale und halb-rationale Entscheidungen weit verbreitet. Eine Entscheidung muss jeweils gut begründet und firmenintern „verkauft" werden können, deshalb werden irrationale Entscheidungen oftmals auch mit halb-rationalen Argumenten getarnt. Viele Unternehmensberater leben sogar davon, irrationale Entscheidungen von Führungskräften mit Hilfe von vielen komplexen Tabellen am Schluss als rationale Entscheidung wirken zu lassen!

Letztendlich muss die Entscheidungsart aber immer der aktuellen Situation angepasst sein. Obwohl wir häufig rationale Entscheidungen anstreben, bedeutet dies keinesfalls eine Ueberlegenheit dieser Methode. Sie lässt sich nur am einfachsten gegenüber Dritten erklären.

 

Allgemeines Vorgehen bei Entscheidungen

Unabhängig von der Entscheidungsmethode gibt es grundsätzliche Vorgehensarten, welche sich für komplexere Entscheidungen bewährt haben:

  1. Zielsetzung definieren, was soll entschieden werden?
  2. Rahmenbedingungen festlegen (z.B. Zeitrahmen, Budget, Kompatibilität zu anderen Entscheidungen bzw. Produkten, einzuhaltende Werte, Dimensionen, Farben, usw.)
  3. Entscheidungsoptionen darlegen. Ist evtl. bereits alles klar?
  4. Einflussgrössen, Merkmale, Eigenschaften definieren: Was beeinflusst die unter 1. genannte Zielsetzung? Kriterien zur Bewertung auswählen und evtl. gewichten.
  5. Auswertung durchführen und Wahl treffen.
  6. Evtl. Entscheidung mit anderen Personen diskutieren und neue Aspekte einfliessen lassen.
Wir werden uns im nächsten Artikel speziell der intuitiven Entscheidungsfindung widmen.