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Wenn ich die Folgen einer Entscheidung nicht abschätzen kann

Wir haben zuvor das Bewusstsein modellhaft als eine weisse Kugel um unseren Körper dargestellt. Je grösser das Bewusst­sein einer Person ist, desto grösser ist der Durchmesser dieser Bewusstseins-Kugel. Mit diesem Modell sind wir verantwort­lich für alle Folgen unserer Entscheidungen, welche sich inner­halb unse­rer Bewusstseins-Kugel befinden. Das Licht unseres Bewusstseins leuchtet hier ganz hell, so dass wir innerhalb dieser Kugel die Folgen unserer Entscheidungen sehen bzw. wahrnehmen können.

Man könnte deshalb auf die Idee kommen, sehr weitreichende Entscheidungen durch Personen mit einem geringen Bewusst­sein ausführen zu lassen, da diese ja dann für die Folgen scheinbar nicht verantwortlich wären. Dies wäre aber aus meh­reren Gründen nicht sinnvoll:

  1. Wer die Folgen seiner Entscheidungen nicht abschätzen kann, wird früher oder später der Allgemeinheit Schaden zufügen.
  2. Wer eine Aufgabe an jemandem mit einem zu geringen Bewusstsein weiterdelegiert, ist für diese Handlung und deren Konsequenzen persönlich verantwortlich.
  3. Wer schon die unmittelbaren Folgen einer Entscheidung nicht abschätzen kann, bemerkt dies mit seinem gesunden Menschenverstand. Die Person mit dem geringen Bewusst­sein wird bemerken, dass sie im Dunkeln tappt.

Den dritten Punkt müssen wir noch etwas näher betrachten. Wir gehen davon aus, dass jemand bemerkt, wenn er die unmittel­baren Folgen einer Entscheidung nicht abschätzen kann. Wenn ich nachts in der Dunkelheit gehe, bemerke ich sehr schnell, dass ich nichts sehen kann. Wenn jemand von einem Felsvorsprung springen will, ohne zu wissen, ob sich der Boden 1 m oder 100 m tiefer unten befindet, ist er sich des Risi­kos sicher bewusst. Ein Autofahrer, welcher trotz vollständig beschlagener Frontscheibe «blind» weiterfährt kann wohl kaum behaupten, dies sei ihm völlig entgangen. Mit anderen Worten: Wenn wir die unmittelbaren Fol­gen unserer Handlun­gen nicht wahrnehmen können, bemerken wir dies in der Regel sofort.

Wer den Sprung vom Fels trotzdem wagt, oder wer als Auto­fahrer ohne Sicht fährt, ist selbstverständlich verantwortlich für dieses Verhalten bzw. für die Folgen davon. Genauso ist es mit dem Ein­halten der Grundrechte des Seins: Wer eine Entschei­dung trifft, deren unmittelbaren Folgen er nicht abschätzen kann, ist voll ver­antwortlich für diese unmittelbare Folge. Die unmittelbaren Folgen sind ja in der Regel jene Folgen, welche wir durch unsere Ent­scheidungen direkt angestrebt haben, es war das Ziel unserer Entscheidung. Es war das, was wir mit der Entscheidung erreichen wollten. Es wird deshalb jeder Person sofort auffallen, falls sie nicht beurteilen kann, was die unmittelbare Folge ihrer Entschei­dung sein wird.

Diese unmittelbaren Folgen können sich auch ausserhalb unse­rer Bewusstseins-Kugel befinden. Wir sind deswegen aber trotzdem verantwortlich, weil wir wie oben mit den Beispielen illustriert, selbst bemerken, dass wir die Folgen nicht ab­schätzen können.