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1 + 1 = 3: Fähigkeiten in einer Gruppe

Wir werden nun diskutieren, wie sich die Fähigkeiten von mehre­ren Personen in einer Gruppe gegenseitig ergänzen können. Wir stellen uns dazu vor, dass diese Personen gemein­sam an einer Aufgabe arbeiten.

Betrachten wir als erstes eine Gruppe von mehreren Personen mit Kugeln in derselben Farbe, d.h. alle Mitglieder der Gruppe ver­folgen unter anderem dieselbe Zielsetzung X. Erinnern wir uns zunächst nochmals an die Definition des Modells: Inner­halb der Kugel sind die Fähigkeiten zur Erreichung des Ziels X voll ausge­bildet. Die Grösse dieser Kugel ist ein Mass für das bereits ent­wickelte Können, um das Ziel X zu erreichen.


Abbildung 11: Überlappende Kugeln

Die gleichfarbigen Kugeln der beteiligten Personen werden sich teilweise überlappen. Wenn zwei Kugeln so beieinander positio­niert sind, dass sich zum Beispiel die Gebiete mit je 50%-iger Ausleuchtung überlappen, so wird das überlappte Gebiet in der entsprechenden Farbe voll ausgeleuchtet (schraf­fierter Bereich in Abbildung 11). Das Gebiet, welches durch die Gruppe gemeinsam voll ausgeleuchtet wird, kann dadurch unter Umständen wesent­lich grösser sein, als die Fläche der einzelnen Kugeln zusammen. Die Fähigkeit einer Gruppe kann grösser sein als die Summe aller Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder dieser Gruppe.

Dies kennen wir aus dem täglichen Leben: Viele Aufgaben können nur durch eine Gruppe von Menschen, deren Fähig­keiten sich gegenseitig ergänzen, gemeinsam gelöst werden. Wenn es zum Beispiel darum geht, eine Last von 250 kg Gewicht wegzutragen, so können 3 Personen, welche je 100 kg Gewicht zu tragen vermögen jeweils alleine nichts ausrichten. Zusammen werden sie diese Last jedoch wegtragen können.

Was in diesem Beispiel mit physischen Fähigkeiten (Kraft) gezeigt worden ist, gilt natürlich auch im intellektuellen Bereich. Völlig analog können sich Personen aber auch in der intuitiven Wahr­nehmung ergänzen und gemeinsam zusätz­liche Informationen auswerten.

Die gegenseitige Ergänzung der Fähigkeiten von Personen macht man sich schon seit Menschengedenken zu Nutze. Ins­besondere komplexere Probleme werden jeweils durch eine Gruppe von Personen gelöst. Heute verwenden wir gut klin­gende Wörter dafür: Man macht Brainstorming, veranstaltet Sitzungen, Meetings, Besprechungen, usw. um Lösungen für bestimmte Probleme zu finden.

Entsprechende Phänomene lassen sich aber auch in der Natur beobachten, zum Beispiel bei Tieren die Navigation von Vogel- und Fischschwärmen, die gemeinsame Jagd von gewissen Raub­tieren, usw.

Im Kapitel über die Wechselwirkung mit der Natur werden wir nochmals darauf hinweisen, dass wir Menschen uns die «Gruppenbildung» mit der Natur oft unbewusst zu Nutze machen. Die weisse Kugel des Bewusstseins existiert grund­sätzlich bei allen Wesen. Aus diesem Grund stehen uns in der gesunden Natur, zum Beispiel im Wald, an einem See, am Meer oder in den Bergen zusätzliche intuitive Fähigkeiten zur Verfügung. Es lohnt sich deshalb, schwierige Entscheidungen in aller Ruhe in der Natur zu treffen!

Abschliessend möchten wir nochmals eindringlich darauf hin­weisen, dass die Selbstverantwortung in einer Gruppe trotz­dem vorhanden ist: Auch für diejenigen Entscheidungen, welche wir innerhalb einer Gruppe treffen, bleiben wir persön­lich voll verant­wortlich. Die Verantwortung lässt sich nicht aufteilen wie ein Kuchen, sondern bleibt bei der Person oder den Personen, welche die entsprechende Entscheidung treffen.

Andere Personen bzw. generell andere Wesen können uns aber bei der Entscheidungsfindung helfen, indem uns in einer Gruppe zusätzliche Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Unter anderem können wir auch auf intuitivem Wege dadurch möglicherweise zusätzliche Informationen auswerten. Diese Hilfe dürfen wir aber nicht mit dem Aufteilen der Verantwortung verwechseln.