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Das Modell der Klangschalen

Ist es schon vorgekommen, dass Sie jemanden sympa­thisch fanden, ohne irgend etwas von ihm zu wissen, ohne jemals mit ihm gesprochen zu haben? Lernt man diese Person später kennen, so findet man häufig viele Gemeinsam­keiten. Insbe­sondere findet man in der Regel ähnliche Lebens­ziele. Oder, da man ja eher von Erlebnissen spricht, man hat ähnliche Lebens­erfahrungen gemacht. Zufall - oder vielleicht doch nicht? Ähnliche Lebenserfahrungen deuten nach allem was wir bisher diskutiert haben darauf hin, dass wir an ähnli­chen Entwicklungsschritten arbeiten. Da wir uns nicht von selbst entwickeln, deutet dies aber letztendlich auf ähnliche Lebensziele hin.

Die eigenen Zielsetzungen sind schwierig zu verheimlichen, wir «strahlen» unsere Ziele nämlich dauernd aus. Umgekehrt spüren wir die Zielsetzung bei anderen Personen häufig auch schon ohne etwas über diese Personen zu wissen und ohne mit ihnen zu spre­chen.

Betrachten wir zur Einführung in das Modell das folgende Beispiel, welches wohl vielen aus der Schulzeit bekannt sein dürfte: Man nimmt 2 Klangschalen mit demselben Ton. Die eine stellt man irgendwo in eine Ecke des Zimmers, die andere bringt man zum tönen, indem man sie anschlägt. Nun berührt man die tönende Klangschale, sodass sie nicht mehr schwingen kann. Man stellt überrascht fest, dass die andere Klangschale in der Ecke des Zimmers ebenfalls zu schwingen begonnen hat und weiterhin schwingt. «Irgendwie» hat sich die Schwingung von der ersten Klangschale berührungslos auf die zweite Klangschale übertragen. Man spricht in der Technik von einem Resonanzeffekt. Dieser Effekt kann zustande kommen, wenn beide Klangschalen den­selben Ton aufweisen oder, wissen­schaftlicher ausgedrückt, wenn sie dieselbe Eigenfrequenz haben. Auf diese Form der Über­tragung der Schwingungen werden wir im nächsten Kapitel zurück kommen.

Klangschale

Klangschale_links

Abbildung 8: Klangschalen

Bisher haben wir mit dem Kugelmodell unsere Fähigkeiten als Kugel um unseren Körper dargestellt. Je grösser die Kugel ist, desto stärker entwickelt sind unsere diesbezüglichen Fähig­keiten.

Nun führen wir zusätzlich ein Modell zur Darstellung unserer Ziel­setzungen ein: Bei diesem Modell stellen wir uns für jedes nicht kompatible Ziel1, welches wir verfolgen, einen Klang­körper, am besten eine Klangschale, in uns vor. Diese Klang­schalen halten wir selbst in Schwingung, das heisst wir strahlen für jede nicht kompatible Zielsetzung einen Ton in einer bestimmten Frequenz aus.

Die Lautstärke dieses Tons hängt unter anderem stark von der Priorität ab, welche wir den entsprechenden Zielsetzungen zuord­nen. Je lauter eine Klangschale tönt, desto höher ist ihre Priorität.

Wenn eine Person zum Beispiel 3 nicht kompatible Ziele ver­folgt, so können wir dies in unserem Klangschalenmodell mit 3 verschiedenen Klangschalen darstellen. Diese Person sendet gleichzeitig 3 verschiedene Töne aus. Der lauteste Ton ent­spricht jener Zielsetzung, welche zur Zeit zur Leitlinie für Ent­scheidungen genommen wird. Wie wir bereits früher erwähnt haben, können sich die Prioritäten in den Zielsetzungen jeweils rasch ändern. In unserem Modell würde dann eine andere Klangschale lauter klingen.

Mit diesem Modell wollen wir nun zunächst die gegenseitige Beeinflussung zwischen Fähigkeiten und Zielsetzungen disku­tieren. Wir gehen davon aus, dass wir bei einer Entscheidung die­jenige Zielsetzung von uns zur Leitlinie machen, welche in diesem Zeitpunkt am intensivsten schwingt und somit am lautesten tönt.

 



1) Alle zueinander kompatiblen Zielsetzungen bezeichnen wir generell als dieselbe Zielsetzung oder dasselbe Ziel. Nicht kompatible Ziele schliessen sich gegenseitig aus, d.h. die Näherung an ein Ziel führt gleichzeitig zu einer Entfernung von den nicht kompatiblen Zielen. Siehe auch hier.